Verlust an Lebensqualität

Für Landshut, Freising, München und viele umliegende Gemeinden würde die dritte Startbahn am Flughafen München einen erheblichen Verlust an Lebensqualität bedeuten. Die Startbahn würde die Gesundheit vieler Menschen gefährden, den Wohnungsmarkt in der Region noch stärker, als es ohnehin schon der Fall ist, überlasten, und das Vertrauen in die Demokratie erschüttern.

Fluglärm macht krank

Fluglärm schadet Herz, Kreislauf und Psyche. Schon heute leiden viele Menschen aus Flughafenregionen unter dem Lärm der ständig an- und abfliegenden Flugzeuge. Der zusätzliche Flugverkehr, den sich die Flughafen München Gesellschaft von der dritten Startbahn erhofft, würde die Situation weiter verschärfen. Beständiger Lärm verursacht Dauerstress und kann zu Bluthochdruck, Schlafstörungen, Kreislauferkrankungen, Konzentrationsschwächen und Herzinfarkt führen.

Besonders nachts ist Fluglärm eine Dauerbelastung. Denn das Ohr schläft nicht. Anders als das Auge schaltet das Ohr nicht ab und übermittelt auch während des Schlafs Sinnesdaten an das Gehirn. Bei nächtlichem Lärm führt das zu einer ständigen Belastung, von der sich Anwohner eines Flughafens kaum erholen können. Der zulässige Grenzwert für nächtlichen Lärm liegt bei 55 dB(A). Das entspricht in etwa einem laufenden Fernsehe, der jede Nacht neben dem Bett steht, ohne dass man etwas dagegen tun könnte.

Der Fluglärm raubt aber nicht nur den Schlaf. Er stört auch tagsüber Erholung Suchende, die ihre Freizeit in Ruhedraußen verbringen, Sport treiben oder entspannen wollen. Hinzu kommt eine anhaltende Reizung der Atemwege durch die Flugzeugabgase, die zum Teil krebserregende Schadstoffe enthalten.

Druck auf angespannten Wohnungsmarkt steigt

„Die dritte Startbahn ist doch gut für Wirtschaft und Arbeitsplätze“ mag mancher denken. Doch das entpuppt sich als Scheinargument: In der Region Freising herrscht seit Jahren fast Vollbeschäftigung. Und selbst die Flughafen München Gesellschaft (FMG) räumt ein, dass zusätzliche Beschäftigte vor allem aus der weiteren Umgebung kommen müssten, da es diese Arbeitskräfte im näheren Umfeld gar nicht gibt. Es müssten also in die eh schon aus allen Nähten platzende Flughafenregion noch mehr Menschen ziehen.

Im Landkreis Freising waren 1993 etwa 137.100 Menschen gemeldet, 2010 waren es bereits 166.400 Menschen. Das ist ein Zuwachs von 29.287 Menschen, ein Plus von 21 Prozent in nur 18 Jahren. Bis 2030 wird die Zahl der Einwohner wahrscheinlich sogar auf 180.400 zunehmen. Ähnliche Prognosen gibt es auch für die anderen Landkreise der Region und für die Landeshauptstadt.

Ein weiterer Zuzug würde die Region stark belasten. Der Wohnungsmarkt in Freising und München ist stark angespannt, bezahlbare Wohnungen sind Mangelware. Auch ohne die dritte Startbahn ist es laut Freisings Oberbürgermeister Dieter Thalhammer schon schwierig, hier nachhaltige und sozialverträgliche Lösungen für alle zu finden. Auch in München wird zunehmend über die Grenzen des Wachstum in der Stadt diskutiert. Die dritte Startbahn würde diesee Probleme verschärfen.

Vertrauen in Demokratie erschüttert

Auch angesichts des drohenden Verlusts an Lebensqualität haben während des Planungsverfahrens über 80.000 Bürger Einwände gegen die dritte Startbahn am Flughafen München erhoben. Doch die Regierung von Oberbayern hat den Bau der dritten Startbahn 2011 genehmigt und die Einwendungen dabei schlicht ignoriert.

Obwohl diese 80.000 Menschen in einer demokratischen Gesellschaft leben, hatte ihre Stimme keinen Einfluss auf eine Entscheidung, die ihren Lebensalltag unmittelbar beeinflusst. Dieser Verlust an Kontrolle über das, was in der eigenen Umwelt geschieht, erschüttert das Vertrauen in Institutionen und Politik.

Zu Recht fragen sich die Ignorierten, wie es bei der Entscheidung der Regierung pro Startbahn mit rechten Dingen zugehen kann, und kritisieren, dass unsere demokratischen Grundrechte auf der Strecke bleiben. Wer die Erfüllung der Wünsche von Lufthansa und Co für wichtiger hält als Heimat-, Natur- und Klimaschutz, wer Bürgerrechte mit Füßen tritt, der braucht sich nicht zu wundern, wenn die Bürger laut werden und auf die Straße gehen.