Künstliches Wachstum in Zeiten teurer werdender Flüge?

Der Bund Naturschutz ist schon seit langem eine wachstumskritische Stimme in Bayern. Inzwischen beginnen aber selbst jene, die ein grenzenloses Wachstums bislang vehement vertreten haben, zu zweifeln, ob ihre Sichtweise mit der Realität vereinbar ist.

So führt das Festhalten an dieser Sicht bei der Flughafen München Gesellschaft (FMG) dazu, dass sie ihr Wachstum durch vertragliche Verpflichtungen und bei Nichterfüllung „Ausgleichszahlungen“ durch die Lufthansa garantiert wissen will – ein absurdes Vorgehen. Für den Bund Naturschutz stellt der Bau der dritten Startbahn ein Paradebeispiel verfehlter Wachstumspolitik dar.

Gekauftes Wachstum am Beispiel Terminal 2

In der Begleitvereinbarungen zwischen FMG und Deutscher Lufthansa AG (DLH) zum Bau des sogenannten Satelliten für den Terminal 2 am Flughafen München heißt es: „Gleichzeitig wird von der DLH eine Wachstumserklärung abgegeben, in der sich die DLH trotz Inbetriebnahme der 4. Bahn am Flughafen Frankfurt in den nächsten Jahren auf ein weiterhin forciertes Wachstum am Flughafen München entsprechend der aktuellen Intraplan-Verkehrsprognose für die Planfeststellung der 3. Start-/Landebahn verpflichtet. Sollten in dem Zeitraum von 2010 bis 2017 die im Intraplan-Gutachten prognostizierten Passagierzahlen unterschritten werden, leistet die DLH unter bestimmten Prämissen eine finanzielle Ausgleichszahlung von bis zu insgesamt maximal 50 Mio. Euro.“

Das zeigt in aller Deutlichkeit, dass das Wachstum des Flughafens München ein mit allen Mitteln herbeigeführtes künstliches Wachstum ist, zumal die Flugbewegungen seit Jahren stagnieren oder rückläufig sind und die aktuelle wirtschaftliche Situation sogar nach Aussagen der Luftfahrtbranche keine Änderung dieser Tendenz erwarten lässt.

Die Zeit billigen Fliegens ist vorbei

Der Klimawandel hat begonnen und die Zeit des billigen Öls ist vorbei. Im Jahr 2001 lag der Preis für ein Barrel Rohöl bei 20 Dollar. Anfang 2008 waren es 100 Dollar, im Jahr 2011 stieg der Preis auf über 120 Dollar. Derzeit pendelt er um etwa 100 Dollar.

Für den Flugverkehr hat dies besonders drastische Folgen. Denn mit den steigenden Ölpreisen ist auch die Zeit billigen Kerosins vorüber. Öl ist einer der größten Kostenfaktoren in Flugverkehr, Effizenzgewinne und Einsparungspotentiale sind weitgehend ausgereizt oder nur noch auf Kosten des Personals möglich.

Der Rohölpreis schlägt sich zunehmend auf die Ticketpreise für Passagiere und damit auf die Passagierzahlen und die Flugbewegungen durch. Im Fall der dritten Startbahn bedeutet dies, dem ohnehin nur vermeintlichen Bedarf wird eine weitere Grundlage – nämlich billige Flüge – entzogen.

Das Geld wird anderswo dringender benötigt

Was für das künstliche Wachstum am Flughafen München und den Bau der unsinnigen dritten Startbahn ausgegeben würde, fehlt an anderer Stelle. Das für die dritte Startbahn vorgesehene Geld sollte besser für eine vernünftige Bürgerbahn in Bayern, einen verbesserten ÖPNV in der Region München und Infrastrukturprojekte in anderen Landesteilen Bayerns, die wegen Finanzmangels auf Eis liegen, eingesetzt werden. So werden Straßen zunehmend nur noch gelegentlich geflickt, wo eine grundhafte Erneuerung notwendig wäre. Ein gewaltiger Sanierungsstau ist aufgelaufen.