Tiere, die es anderswo kaum mehr gibt

Das Erdinger Moos ist eines der letzten verbliebenen größeren Niedermoorgebiete Bayerns – und damit eine der letzten und wichtigsten Zufluchtsstätten für Tiere, die bayernweit selten geworden sind: zum Beispiel das Blaukehlchen, den Großen Brachvogel, den Wachtelkönig oder die Helm-Azurjungfer.

Seit dem Bau des Flughafens München ist das Erdinger Moos ohnehin schon an der Grenze seiner Belastbarkeit angelangt. Der Bau der dritten Startbahn würde unersetzlichen Lebensraum im Erdinger Moos zerstören. Viele Tiere verlören ihre Heimat.

Erdinger Moos: Landschaft am Limit

Laut bayerischem Umweltministerium ist das nördliche Erdinger Moos, wo die dritte Startbahn geplant ist, „eines der wichtigsten bayerischen Wiesenbrütergebiete, mit einem der größten Brachvogel-Bestände, sehr bedeutenden Brutvorkommen von Kiebitz, Feldlerche, Grauammer, weiteren Arten der Stillgewässer, Röhrichte und Verlandungszonen, wie dem Blaukehlchen.“

Das Erdinger Moos ist außerdem eines der letzten verbliebenen größeren Niedermoorgebiete Bayerns. 95 Prozent der ursprünglichen Moore des Freistaats sind heute zerstört. Doch auch das Erdinger Moos ist durch den Bau des Flughafens an der ökologischen Belastungsgrenze angelangt. Flächenversiegelung, Lärm, Schadstoffe und Entwässerung haben ihm schwer zugesetzt.

Der Bau einer dritten Startbahn würde noch mehr Fläche versiegeln. Etwa 3.500.000 Quadratmeter, eine Fläche größer als der Tegernsee, würden unter Beton verschwinden. Insgesamt würde für die Bahn und alle Folgemaßnahmen eine Fläche von 871 Hektar „verbraucht“. Das Grundwasser würde weiter absinken. 4,3 Millionen Kubikmeter Boden würden abgetragen, Gewässer auf 14 Kilometern Länge „umgebaut“. Die Natur würde hier vollkommen zerstört.

Portrait: das Blaukehlchen

Das Blaukehlchen ist einer unserer schönsten Vögel. Es ähnelt einem schlanken, langbeinigen Rotkehlchen. Mit dem intensiv leuchtenden Blau seines Kehlgefieders setzt es einen farblichen Glanzpunkt in der heimischen Vogelwelt. Und es gehört zu unseren besten Singvögeln: Auf freier Sitzwarte trägt das Blaukehlchen einen lauten, melodiösen und abwechslungsreichen Gesang vor, wobei es auch andere Vogelstimmen imitiert.

Das Blaukehlchen lebt ausschließlich in Feuchtgebieten. Mit Schilf bewachsene Wasserläufe und versumpftes Weidengebüsch in Mooren, Auwäldern und an Flussufern sind seine Welt. Doch gerade von diesen feuchten Lebensräumen sind nur kleine Reste übrig geblieben, sie wurden entwässert, abgeholzt und sind zum größten Teil verschwunden. Weil es kaum mehr eine Heimat findet, steht das Blaukehlchen auf der Roten Liste der bedrohten Tierarten.

Portrait: der Große Brachvogel

Etwa so groß wie eine Krähe ist der Brachvogel Europas größter Watvogel. Besonders auffällig ist sein sehr langer, nach unten gebogener Schnabel, mit dem er seine Nahrung aus Schlamm und feuchtem Boden stochert. Sein einprägsamer Ruf ist typisch für Moore und Feuchtwiesenlandschaften – der melodiös und weich trillernde Gesang gehört zum Erdinger Moos und verleiht einem Spaziergang eine besondere, etwas melancholische Stimmung.

Da der Brachvogel auf Feuchtgebiete wie das Edinger Moos angewiesen ist, bedeutet jeder Verlust einer solchen Landschaft eine zusätzliche Bedrohung für den Vogel. Er steht schon jetzt auf Stufe 1 der „Roten Liste“, das heißt, er ist in Bayern vom Aussterben bedroht. Die weitere Zerstörung des Erdinger Mooses durch den Bau der dritten Startbahn wäre verantwortungslos gegenüber dem Großen Brachvogel und der Schöpfung.

Portrait: die Helm-Azurjungfer

Die Helm-Azurjungfer ist mit ihrer leuchtend blauen Farbe ein fliegender Edelstein. Sie lebt an verwachsenen Bachläufen und Wiesengräben des Erdinger Mooses.

Die Helm-Azurjungfer ist sehr „heimatverbunden“: Sie zeichnet sich durch eine extreme Standorttreue aus und entfernt sich deshalb kaum je weiter als 100 Meter von ihrem Gewässer. Ihre Fähigkeit, beim Verlust ihres ursprünglichen Habitats einen neuen Standort zu besiedeln, ist daher sehr gering. Das macht sie äußerst anfällig gegen Baumaßnahmen an ihren Gewässern.

Die meisten Lebensräume der Helm-Azurjungfer sind bereits zerstört worden, so dass sie vom Aussterben bedroht ist. Sie ist europaweit eine der Libellenarten mit dem höchsten Schutzstatus.

Der Bau der dritten Startbahn und damit die Zerstörung weiterer Lebensräume würde der Helm-Azurjungfer schwer schaden.