So wurde die dritte Startbahn in London gestoppt

Vertreter der Attachinger Bürgerinitiative mit den Londoner Aktivisten am Flughafen München: Dan Glass, John Stewart, Tamsin Omond (3., 4., 5. von rechts)

Londoner Aktivisten und Vertreter der Attachinger Bürgerinitiative beim Sportlerwirt.

John Stewart stellt den Londoner Widerstand vor.

28.02.2012Am Wochenende fand in München der Klimakongress der Jugendorganisation des Bundes Naturschutz statt. Er konzentrierte sich ganz auf das Thema „Dritte Startbahn“. Zu Gast waren drei Klimaaktivisten, die den Ausbau des Flughafens London Heathrow gestoppt haben.

Bereits heute verursacht der Flughafen München zehn Prozent der bayerischen Treibhausgase und ist damit Bayerns größter Klimakiller. Der Bau der dritten Startbahn würde Bayerns Klimaschutzziele vollends konterkarieren.

Dass der Widerstand gegen eine dritte Startbahn von Erfolg gekrönt werden kann, haben drei britische Klimaaktivisten bewiesen, die den entsprechenden Ausbau des Flughafens London Heathrow gestoppt haben: John Stewart (laut Zeitschrift "Observer": Great Britains best activist), Dan Glas (Plane stupid) und Tamsin Omond (climate rush). Und diese drei Aktivisten waren zu Gast beim JBN-Klimakongress!

Tamsin Omond, Dan Glass und John Stewart haben uns stark inspiriert, viele Aktionsformen aufgezeigt – und großes Potenzial in unserem Widerstand gegen die dritte Startbahn am Münchner Flughafen entdeckt. Damit haben sie auch eine große Ladung Motivation von London nach München mitgebracht.

John Stewart hat auf dem JBN-Klimakongress die Strategie, die in London Heathrow zum Erfolg gegen die dritte Startbahn geführt hatte, in vier Punkten zusammengefasst:


Breites Bündnis: unity of purpose - diversity of tactics

In Heathrow haben alle Startbahn-Gegner ein gemeinsames Bündnis gebildet. Es bestand aus den Betroffenen, den lokalen Politikern, landesweiten Politikern, den großen Umweltverbänden und einer Reihe sehr kreativer Aktivisten, die auch vor zivilem Ungehorsam nicht zurückgeschreckt waren. Einen ganz ähnlichen Zusammenschluss gibt es auch hier bei uns: das Aktionsbündnis aufgeMUCkt, mit dem sich der Bund Naturschutz gemeinsam gegen die dritte Startbahn einsetzt. Das Motto des britischen Bündnisses war „Unity of Purpose – Diversity of Tactics”, also die Einigkeit im Ziel, bei unterschiedlichen Vorgehensweisen. Alt und Jung, Bürgerliche und Alternative, Vorsichtige und Waghalsige tolerierten und unterstützten sich.


Studie zu wirtschaftlicher Irrelevanz der Startbahn

In Heathrow haben die Startbahn-Gegner mit einer unabhängigen Studie bewiesen, dass die dritte Startbahn für den Wirtschaftsstandort irrelevant ist. Auch in München kritisieren wir nicht den Flughafen als solchen, sondern dessen Ausbau. Und wir werden auch hier beweisen, dass die dritte Startbahn für den Wirtschaftsstandort Bayern keinen wesentlichen Vorteil bringt. Denn der Flugbetrieb ist mit zwei Startbahnen problemlos abzuwickeln, die Wirtschaft wird durch den Stopp der dritten Startbahn in keiner Weise beschnitten oder eingeschränkt.


Alternativen zum Flugverkehr aufgezeigt

In Heathrow wurden von den Startbahn-Gegnern Alternativen zum Flugverkehr aufgezeigt. Hier haben wir in München sogar noch bessere Karten als in London. Denn in London werden weit mehr Interkontinental-Flüge abgewickelt als in München und die Bahn in Groß Britannien ist spätestens seit der Privatisierung wesentlich schlechter, unpünktlicher und maroder als in Deutschland. Für München, dem Flughafen mit dem höchsten Anteil innerdeutscher Flüge (weit vor Frankfurt und Berlin übrigens), sind alle Alternativen da. Oft geht es sogar schneller, mit dem ICE von Innenstadt zu Innenstadt zu fahren, als erst zum Flughafen hinaus fahren zu müssen.


Widerstand trieb Politik vor sich her

In Heathrow arbeiteten die Startbahn-Gegner gemeinsam an einer sichtbaren, profilierten und aktiven Kampagne. Sie haben niemals auf die Politik vertraut, geschweige denn auf die sie gewartet. Der Widerstand in London hat die Politik vor sich her getrieben. Genau so gehen wir es auch hier in Attaching, Freising, München und Bayern an.

Diese Übereinstimmungen zwischen dem bereits erfolgreichen Widerstand in London und unserem Widerstand hier in Bayern zeigen: Wir sind auf dem richtigen Weg und können die dritte Startbahn am Flughafen München stoppen.


Die Inspiration durch unsere Londoner Freunde war enorm, sie erzählten uns zum Beispiel davon, wie sich Dan Glass mit Sekundenkleber an den britischen Premierminister Gordon Braun geklebt hat, wie Tamsin Omond im Flughafenterminal ein großes Picknick veranstaltet hat und damit den gesamten Betrieb lahm legte, oder wie Aktivisten aus ganz Großbritannien vom geplanten Bau der Startbahn Betroffene „adoptierten“ und in einer großen Zeremonie schworen, notfalls die Häuser der Betroffenen zu verteidigen.

Tamsin Omond , Dan Glass und John Stewart sind bodenständige Leute, die mit der Unterstützung vieler Bürger etwas geschafft haben, was niemand erwartet hatte. Sie haben die dritte Startbahn in Heathrow verhindert. Und gemeinsam mit Ihrer und Eurer Hilfe schaffen wir das Gleiche am Flughafen München!


Weitere Infos zum JBN-Klimakongress und dem Austausch zwischen London und Bayern
http://www.jbn.de/service/alle-nachrichten/bericht-5-tage-austausch-zwischen-london-und-bayern/

Video des Protest-Picknicks am Londoner Terminal
http://www.youtube.com/watch?v=G6h9vChzxhM&feature=related

Mehr Info zu den Londoner Aktivisten
Dan Glass: www.planestupid.com
Tamsin Omond: www.climaterush.co.uk

BN-Newsletter